„Die Menschen, und nicht die Natur, machen ein Land heimisch.“ Das sagte einst der berühmteste Sohn Odenses und bekannteste Schriftsteller Dänemarks, Hans Christian Andersen.

Diesen Ausspruch kann man vielleicht erst dann verstehen, wenn man außerhalb seiner gewohnten Umgebung unterwegs ist und Menschen hat, die einem auch im Ausland ein heimisches Gefühl geben. Man stelle sich nur einmal vor, man ist alleine unterwegs, schläft in einem Hotelzimmer und macht, was man eben im Urlaub macht, aber alleine. Nicht so ein schönes Gefühl, oder? Sicher, es hat auch seine Vorzüge, alleine zu vereisen, aber am Ende des Tages wünscht man sich schon jemanden, mit dem man seine Eindrücke und Gefühle teilen könnte.

Ich hatte mich nun also auf den Weg gemacht, um meinen besten Freund während seines Auslandssemesters in Dänemark zu besuchen. Nun gab es vorab natürlich wieder etwas zu planen, zum Beispiel welches Transportmittel wohl am geeignetsten wäre. Ziel meiner Reise war Odense, ihres Zeichens drittgrößte Stadt Dänemarks und Geburtsstadt von Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Flüge nach Dänemark waren mir zu teuer und zu umständlich, eine Autofahrt erschien mir auf Grund des enormen Verschleißes meines Autos auch nicht praktikabel. So entschied ich mich für die Bahn und somit eine 7-stündige Fahrt von Köln über Hamburg nach Odense. 7 Stunden Fahrt mit der Bahn. Ja, dieses Thema hatten wir bereits. Auf meinem Trip nach Italien hatten wir uns auch für eine Bahnfahrt entschieden. Damals waren mein bester Freund und ich aber gemeinsam unterwegs. Dieses Mal sollte es also alleine sein. Was braucht man also alles für eine solche Fahrt?. Da wäre zunächst der Proviant. Bisschen was zu knabbern, etwas Gebäck, Schokolade und natürlich Wasser. Damit wäre zumindest das menschliche Grundbedürfnis befriedigt. Nun kann einem aber schnell langweilig werden ohne einen Partner, einen Freund zum Reden. Also werden noch Bücher, Magazine und/oder Zeitungen eingepackt. Ich muss ehrlich gestehen, dass auch das auf Dauer nicht genügt. Also lud ich mir noch ein paar Filme auf mein iPad, um wirklich sicher zu gehen und um einem „Lagerkoller“ vorzubeugen.

Der Morgen meiner Abreise war gekommen. Von Brühl aus begann erneut meine Reise. Zunächst ging es aber nach Köln, um von dort aus den Intercity nach Hamburg zu bekommen. Eine Entscheidung sollte ich ziemlich schnell bereuen. Eine so lange Zugfahrt ohne Sitzplatzreservierung zu buchen, zeugt nicht nur von Geiz, sondern auch von Dummheit. Die ersten 3 Stunden meiner Fahrt verliefen jedoch nach Plan. Ein schöner Fensterplatz in einer Kabine. Da die Sitzplatzanzeigen in den Zügen eher selten funktionieren, konnte ich nur hoffen, dass ich sitzen bleiben konnte. Aber natürlich wurde ich eines Besseren belehrt. Irgendwann kam der Besitzer meines Platzes und ich tauschte einen Platz an der Sonne mit einem Platz im Gang, neben dem Klo…leufht.

Nun ging das Theater immer so weiter und nach Hamburg steuerte ich Kolding in Dänemark an. Mittlerweile war das Sitzplatz-Problem gelöst, und ich konnte meine Reise im Sitzen fortsetzen. In Kolding angekommen, wartete ich auf meine letzte Verbindung für den Tag, die mich nach Odense bringen sollte.

Es war geschafft! Nach etwas mehr als 7 Stunden kam ich sogar pünktlich um 20:30 Uhr in Odense an. Am Gleis empfing mich Nils, und nach einer kurzen Umarmung ging es dann Richtung Ausgang. Zunächst führte uns unser Weg zu den ausleihbaren Fahrrädern. Diese kann man sich am Bahnhof kostenlos für 24 Stunden leihen. Was ein Service. Bevor es aber zur WG von Nils gehen sollte, führte uns unser Weg zum Supermarkt mit dem klangvollen Namen „FAKTA“. An diesem Abend waren wir nämlich noch für ein Essen bei Freunden von Nils eingeladen. So besorgten wir also noch etwas Wein, Antipasti und Bier. Jetzt wird der ein oder andere zu Recht sagen, „Alkohol in Dänemark ist doch superteuer, oder?“ Ja, ist er. Aber mit leeren Händen geht man auch einfach nirgends hin, wenn man eingeladen wurde.

Währenddessen gesellte sich auch ein weiterer Freund von Nils zu uns im Supermarkt. André aus Lissabon war, wie Nils auch, für sein Auslandssemester in der Stadt. Zu dritt ging es dann auf unseren Drahteseln zum „Get Together“. Der restliche Abend mit den Jungs und Mädels verlief sehr locker und so konnte auch ich neue Kontakte knüpfen. Schließlich und endlich ging es dann „nach Hause“. Auf der kurzen Fahrt zu dem Treffen bemerkte ich schon die etwas schwerfällige Gangart meines Fahrrads, und
dass mir nun mit diesem Fahrrad ein weitaus längerer Weg bevorstand, machte die Sache nicht besser. Ich fügte mich meinem Schicksal und fuhr die fast 30 Minuten bis zu Nils Wohnung. Grundsätzlich fährt man in Dänemark, ähnlich wie in Holland auch, viel mit dem Fahrrad. Egal ob 5, 10 oder 20 km.

Die WG von Nils liegt etwas außerhalb der Stadt in einem „Problemviertel“. Für deutsche Verhältnisse ist dies aber alles andere als ein solches. Sicher, die Betonklötze und die vielen ethnischen Gruppen, die dort wohnen, lassen dies vermuten, aber in Dänemark ist man weit entfernt von deutschen „Problemvierteln“.

Für die Tage meines Besuches überließ Nils mir netterweise sein Bett und schlief dafür auf einer Matratze auf dem Boden. Das erste Frühstück in Dänemark war überschaubar, aber ausreichend. Etwas Smørrebrød und eine Tasse schwarzer Tee reichten mir aus, um die erste kleine Tour zu starten. Vom Block ging es in Richtung Uni. Dort gab es dann neben einer kleinen Rundführung auch etwas Studentenlifestyle. Nils musste noch etwas für eine Projektarbeit machen und ich gesellte mich zu ihm und zu den Lernkabinen. Ein Raum voll mit Studenten, die lernen wollten oder mussten. Dennoch herrschte in diesem Raum eine angenehme Ruhe und Lernatmosphäre. Anschließend setzten wir uns wieder in Bewegung und fuhren Richtung Innenstadt. Es war Freitag und die Sonne strahlte vom Himmel. Ein perfekter Tag also für eine Sightseeing Tour auf dem Rad.

Im Zentrum angekommen, gab es also die nächste Führung. Odense ist eine wirklich schöne kleine und kompakte Stadt. Es gibt alles, was man zum Leben braucht und etwas mehr. Schöne kleine Gebäude in der Odenser Altstadt neben schönen Neubauten in der City. Die eigentliche Hauptattraktion in Odense ist aber ganz klar Hans Christian Andersen. Jede Schule, jeder Platz und fast jede Straße ist nach ihm benannt. Nicht zu vergessen das HCA Museum, sein Geburtshaus und seine erste Wohnung.

An diesem Wochenende fand, wie der Zufall wollte, dass alljährliche Hafenfest statt. Das bedeutete Live-Musik auf drei Bühnen, Food Trucks und viel Spaß und Freude. Bevor es wieder nach Hause ging, sonnten wir uns noch etwas am Hafen und schauten den Arbeitern bei den Aufbauarbeiten zu. Gestärkt durch einen Hotdog ging es dann anschließend wieder heimwärts. Dort angekommen, bemerkte ich einen leichten Sonnenbrand, den mir der Tag an der frischen Luft beschert hatte. Dennoch fiel ich erleichtert ins Bett und wir schliefen eine Runde. Es war kurz vor 19:00 Uhr, als wir uns wieder aufrafften, um zu André zu fahren. Diesmal lud er alle zum portugiesischen Abend bei sich ein. Also wieder aufs Rad und los. Er bereitete uns „Bacalhau“, ein typisches Gericht aus seiner Heimat, zu. Gut genährt und motiviert fuhren wir in einer kleineren Gruppen Richtung Hafenfest. Als wir ankamen, war das Fest schon fast vorbei, aber es gab ja noch die Afterparty und die hatte es in sich. In einer Lagerhalle begann die dänische Hip Hop Crew Crackhouse mit einem einstündigen Konzert. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung schon recht gut und dann kamen die Electro DJ´s von Ecstasy Room. Bis halb 3 wurde dann noch gefeiert, ehe auch die Afterparty ihr Ende fand.

Auch hier gab es wieder viel internationales Publikum bzw. Austauschstudenten, die sich zu den einheimischen gesellten. Die Stimmung in Dänemark ist ohnehin immer sehr friedlich und es gab ein wunderbares Miteinander.

Am letzten Tag vor meiner Abreise entschieden wir uns für etwas mehr Meer. Und so nahmen wir in Odense die Bahn in Richtung Küste in das schöne Örtchen Nyborg. Dort besichtigten wir zunächst das Schloss von Nyborg und die kleine Einkaufsstraße. Viel gab es leider nicht zu sehen, aber wir wollten ja auch eigentlich nur ans Meer. So gingen wir die 15 Minuten zu Fuß und erreichten schließlich die Ostsee. Bei wieder strahlendem Sonnenschein legten wir uns an den Strand und tankten Sonne. Diesmal hatten wir aber an die Sonnencreme gedacht. Noch ein paar Erinnerungsfotos, und dann verabschiedeten wir uns wieder von Nyborg in Richtung Odense.

Den letzten Abend ließen wir dann ruhiger angehen und setzten uns in einen Irish Pub, wo es neben einem Live-Act auch das DFB-Pokal Finale zu sehen gab. „Was will man also mehr?“ Bei Bierchen und Verzäll, wie man in Köln sagt, haben wir dann Abend ausklingen lassen.

„Die Welt ist doch nicht so übel … Man muss sie nur zu nehmen wissen.“ (Der Mistkäfer von Hans Ch. Andersen) Das sind dann auch mal Gedanken, die man während eines solchen Trips hat. Und so wie bei jeder Reise kommt es zwangsläufig auch irgendwann zum Ende einer solchen. Neue Eindrücke und Erinnerungen, die einem bleiben, Menschen, die man kennengelernt hat und Erfahrungen, die das Leben bereichern. Odense war einen Ausflug wert und hat sich definitiv trotz der anfänglichen Strapazen gelohnt. In der Bahn in Richtung Heimat wird einem bewusst, dass die Heimat überall sein kann, wo gute Freunde und nette Menschen deinen Alltag begleiten.

Dem Ziel immer näher kommend… „Vorbei! vorbei!, sagte der arme Baum. Hätte ich mich doch gefreut, als ich es konnte! Vorbei! vorbei! (Der Tannenbaum von Hans Ch. Anderesen) Natürlich ging es mir nicht wie dem Baum, aber es war vorbei.

Dänemark lag nun hinter mir und die Bahnfahrt zurück gestaltete sich wieder etwas abenteuerlich. Keinen Sitzplatz bis Hamburg und in Hamburg dann ein heilloses Durcheinander. In Bremen wurden kurzerhand die Fahrgäste aus dem Gang auf das Gleis befördert, weil der Zug zu voll war. Ich saß zum Glück. Völlig ermüdet kam ich in meiner Wohnung an und beendete den Tag mit einem ruhigen Schlaf.

Zum Abschluss nochmal Andersen.

„Wenn man sich von den Bergen entfernt, so erblickt man sie erst recht in ihrer wahren Gestalt; so ist es auch mit den Freunden. (Das Märchen meines Lebens)“