Die Welt stand still am 20. Juli 2017, als berichtet wurde, dass Chester Bennington, der Sänger von Linkin Park, Selbstmord begangen hat. Das neueste Album der Band erschien erst knapp 2 Monate vorher und wurde von Kritikerin sehr gemischt bis schlecht aufgenommen. Auch wenn der energetische Sänger nicht zu den typischen „Club 27“ Mitgliedern zählt mit seinen 41 Jahren, hat er besonders in der Generation der Teenager in den frühen 2000ern maßgeblich zur Musikgeschichte beigetragen und eine der erfolgreichsten Bands unserer Zeit mit seiner Stimme bereichert und wird für immer ein Platz im Herzen der Fans haben. Die Band hat eine spezielle Website zur Erinnerung aufgesetzt, mit einem direkten Verweis auf eine Suizid-Präventionsstelle: http://chester.linkinpark.com

Wie klingt nun das 7. Studioalbum der Band und welche neuen Wege sind sie musikalisch gegangen?
Vergleicht man das erste und das neueste Album der Band, findet man effektiv keine Parallelen. Der Gesang, die Musik und die Tonalität haben sich komplett geändert und die Band orientiert sich mit ihrem Sound eher an aktuellen Pop-Stars als und ihren Wurzeln aus dem Nu-Metal. Einzig die Texte sind nach wie vor stark geprägt von einem geplagten Bennington, der teils sehr depressive Inhalte hier einbaut. Leider klingen die Texte im Zusammenspiel mit einer eher fröhlichen und elektronisch basierten Musik fehl am Platz. Mit einer Spielzeit von nur knapp 35 Minuten ist die Platte auch nicht wirklich viel länger als so manches 0815-Pop-Album.

Linkin Park ist spätestens seit ihrem 3. Studioalbum dafür bekannt, dass sie keine Angst vor neuen musikalischen Einflüssen haben und dabei auch gerne ihre Wurzeln dafür vernachlässigen, nicht immer zur Freude der Fans. Kaum eine andere Band mit dem Level an Erfolg hat es sich getraut, so hart die Stile zu mischen und sich über die Jahre komplett um 180 Grad zu drehen. Wo früher in jedem Track harte E-Gitarre und gepresster Kratzgesang zu hören war, gibt es heute nur noch Synthie-Instrumente und klare Stimmen auf einem angenehmen Beat. Selbst als Fan der ersten Stunde fällt dieser Spagat im Kopf schwer.
Es fällt mir persönlich auch sehr schwer, im Schatten des Todes von Bennington die Band in so einem Licht dazustellen, allerdings war dies ja schon lange der Fall. Ich höre nach wie vor die beiden ersten Alben Hybrid Theory und Meteora am liebsten. Alle Alben danach wurden zu kommerziell, zu poppig oder einfach zu anders für mein Verständnis der Band. Es gibt durchaus Künstler, bei denen das klappt, aber besonders Rockbands sind ein Genre, wo dies nicht immer sauber gelingt. Ein Positivbeispiel wäre Lady Gaga, die mit ihrem Album Joanne (2016) einen deutlich reduzierteren, erwachseneren und ruhigeren Ton anschlägt, im Vergleich zum ersten Up-Beat und elektronisch überladenen The Fame (2008).

Um die Band Linkin Park wird es vermutlich erst einmal eher still werden. Fans greifen zu ihren Lieblingsstücken der Band und nehmen auf ihre eigene Weise Abschied von einem großen Künstler.

One More Light hat leider nichts mehr mit dem Sound der frühen 2000er zu tun, für wen ist das Album? Für Fans, die wirklich jede Platte der Band feiern oder eben für den typischen Radio-Konsumenten. Für die Nostalgiker bleiben nach wie vor die ersten Alben in der Playlist.

Sebastian Förster