Die Europäische Fachhochschule (EUFH) wird einen Standort in Solingen eröffnen. Schon im Wintersemester 2021/22 sollen die Studiengänge Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsinformatik hier an den Start gehen. Diese Absicht hatten Oberbürgermeister Tim Kurzbach und der Präsident der EUFH, Prof. Dr. Birger Lang, bereits im September 2019 in einem Letter of Intent schriftlich fixiert.

In einem weiteren Schritt wurde am Freitag ein Hochschulbeirat gegründet, der die Stadt Solingen und die EUFH bei der Gründung des Standortes beraten und unterstützen soll. Dazu zählt die institutionelle Vernetzung ebenso wie die Entwicklung regionaler Themen sowie die Information der Schulen und die Gewinnung regionaler Unternehmen als Kooperationspartner.

Dem Beirat gehören neben Oberbürgermeister Tim Kurzbach, dem IHK-Geschäftsführer Michael Wenge, den drei vom Sprecherrat der Solinger Schulen entsandten Schulleitern Andreas Tempel (Alexander-Coppel-Gesamtschule), Ulrich Nachtkamp (Gymnasium Schwertstraße) und Michael Becker (Technisches Berufskolleg) auch Vertreter von Solinger Unternehmen an: Jörg Püttbach (Bia), Wolfgang Rixen (Item), Nina Tubic (Zwilling), Tobias Erdmann (Systemhaus Erdmann),  Cornelius Scheffel (U-Form Testsysteme) und Martina Grünewald-Ernst (LeaCo Lab).

Zuständig für den Solinger Standort ist auf Seiten der EUFH Prof. Dr. Tanju Aygün. Der derzeitige Leiter des Studiengangs Handelsmanagement am Standort Neuss stammt aus der Klingenstadt.

„Mir ist die Struktur der Solinger Wirtschaft gut bekannt, deshalb liegt mir viel daran, den Standort Solingen zu etablieren“

so Aygün.

Die EUFH, die bereits Standorte in Köln, Neuss, Brühl, Aachen, Rheine und Rostock unterhält, bietet duale Studiengänge an, die Theorie und Praxis eng miteinander verzahnen. Solinger Unternehmen wie das Henckels-Zwillingswerk, Walbusch und der Verlag B. Boll kooperieren bereits heute erfolgreich mit der Fachhochschule. Vor Ort will sie nun Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten, deren Lehrplan passgenau auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Solinger Unternehmen zugeschnitten ist. Führungskräfte aus der Wirtschaft sollen auch als Dozentinnen und Dozenten zum Einsatz kommen. Bereits jetzt finden Gespräche mit Solinger Unternehmen statt, um den Zuschnitt eines Informatik-Studiengangs zu eruieren. Mindestens 20 Studierende können sich dafür anmelden. 

Die Ausbildung setzt sich in jedem Semester aus je drei Monaten Theorie und Praxis zusammen und beinhaltet verpflichtend ein Auslandssemester. Auch die Stadt Solingen wird junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der EUFH ausbilden lassen. Um das Konzept bekannt zu machen, wird die Fachhochschule mit allen Gesamtschulen, Gymnasien und Berufskollegs der Stadt Vorstellungstermine vereinbaren und eine mögliche Zusammenarbeit skizzieren. So ist es mit dem Sprecherrat der Schulen vereinbart.

Mit der EUFH konnte bereits die zweite Fachhochschule für die Klingenstadt gewonnen werden. Die Hochschule Niederrhein baut derzeit in Kooperation mit der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Gräfrath den dualen  Studiengang „Bachelor of Science im Fach Lebensmittelwissenschaften“ auf, der im kommenden Wintersemester offiziell an den Start gehen soll. Gemeinsame Lehrveranstaltungen in Gräfrath und am Niederrhein finden bereits seit über einem Jahr statt. Studierende, die das duale Studium antreten, haben die Wahl zwischen zwei Ausbildungsalternativen – Süßwarentechnologie oder Lebensmitteltechnik. Gelernt wird an der Hochschule Niederrhein, der Zentralfachschule in Solingen sowie im jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Fünf Jahre sind für Ausbildung plus Fachhochschulabschluss vorgesehen.