Am 5. April wurde das neue Bauhaus-Museum mit der Dauerausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ eröffnet, im Neuen Museum die neue Dauerausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900„. Die eng miteinander verbundenen Museen sind Teil des neuen Quartier Weimarer Moderne, das die wechselvolle Geschichte der Moderne in Weimar vermitteln soll.

Der Alumniclub hatte eine Woche nach den Eröffnungsfeierlichkeiten zur gemeinsamen Besichtigung eingeladen.

Die Schau „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900“ führt in die kulturelle Blütezeit ein, als Museumsdirektor Harry Graf Kessler ab 1903 die Avantgarde halb Europas ausstellte und der Jugendstil-Designer Henry van de Velde die Kunstgewerbeschule leitete – aus ihr ging später das Bauhaus hervor.

Mit der Entscheidung für einen Museumsneubau und dem internationalen, offenen Architekturwettbewerb 2009 entbrannte ein Standortstreit, an dem das Projekt ‚Bauhaus-Museum‘ fast zu scheitern drohte. Jetzt hat es seinen Platz im Spannungsfeld zwischen Architektur der Weimarer Republik, nationalsozialistischer und sozialistischer Moderne – in unmittelbarer Nähe zum NS-Gauforum und dem Weimarhallenpark. Wie der Ort so war und ist auch die Form des Museumsbaus umstritten. Der Entwurf von Heike Hannada ist reduziert auf einen einfachen geometrischen Körper. An dem schlichten Betonquader mit waagerechten Schlitzen, aus denen bei Dunkelheit LEDs leuchten, scheiden sich die Geister: „Minimalistisch-elegant“ sei es oder aber ein „Kolossalbau“ „Betonsarg“ „Klotz in Monumentalarchitektur“, „Silo“ oder „Reichsluftschutzbunker“, „Wolfsschanze 2.0“……es lohnt sich in jedem Fall, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen.

Im Inneren erzählt der Bau mit seinen Exponaten die Geschichte der wohl bedeutendsten, bahnbrechendsten und zu ihrer Zeit ebenso kontrovers diskutierten Gestaltungsschule des 20. Jahrhunderts. Im Bauhaus fanden sich unterschiedliche Kunstkonzepte und Weltbilder wieder: Besinnung auf mittelalterliches Handwerk versus industrielle Technik, Individualisten stritten mit Kollektivisten, Engagierte mit Apolitischen. Diese Unterschiede finden sich auch in der Ausstellungskonzeption: Wände voller Gemälde in Petersburger Hängung, Marionettenparaden in Reih und Glied, Kunsthandwerk dynamisch arrangiert, Designklassiker wie mit dem Lineal ausgerichtet, die Ausstellungsbereiche sind wiederum ineinander verschachtelt Die über drei Etagen verteilten Ausstellungsflächen sind offen gestaltet, gegliedert durch die frei im Raum stehende mittige Innentreppe. In der obersten Etage angekommen steigt man die ‚Himmelsleiter‘ wieder zum Erdgeschoss hinunter, eine Treppe, die in der Diagonale die ganze Rückseite des Gebäudes durchmisst – ein beeindruckendes Raumerlebnis und jetzt schon beliebtes Fotomotiv, das für Rückstau sorgte. An dem Wochenende und sicher auch an den kommenden gilt aber ohnehin: Schlange stehen und Geduld haben. Das Bauhaus-Museum ist ein Publikumsmagnet.

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