Kürzlich war Carmen Heyner vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) während einer Vorlesung von Prof. Dr. Gisela Meyer-Thamer bei den berufsbegleitenden Masterstudierenden in Köln und Neuss zu Gast und sprach über Nachhaltigkeitsstrategien beim LVR. Dies war ein Beispiel dafür, dass die heute immer wichtiger werdenden Nachhaltigkeitsthemen in den Curricula der EUFH breiten Raum einnehmen.

Der LVR ist Dienstleister für 9,4 Millionen Menschen im Rheinland mit über 70 Standorten und 19.000 Mitarbeitern. Schwerpunkte der Arbeit sind Soziales, Gesundheit, Jugend, Schule, Kultur und Umwelt. Der LVR betreibt Kliniken genauso wie Museen oder Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen.

Carmen Heyner gab einen interessanten Einblick in die vielfältigen Nachhaltigkeitsaktivitäten des LVR. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt eigentlich aus der Forstwirtschaft und steht für eine Handlungsweise, bei der nicht mehr verbraucht wird als natürlich nachwachsen kann. Daraus ist inzwischen natürlich sehr viel mehr geworden. Ein wichtiger Meilenstein war die Umweltkonferenz von 1992 in Rio de Janeiro, bei der 179 Staaten eine Erklärung unterzeichneten, nach der es einen Dreiklang zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem gibt, der für alle Generationen weltweit gerecht gestaltet werden soll. Große Worte, die in der Folgezeit erst ausgestaltet werden mussten. So entstand die so genannte Agenda 21, ein weltweites Aktionsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung.

Das gesellschaftliche Leben beginnt in den Städten, Gemeinden und Regionen. Damit es zukunftsfähig bleibt, ist Nachhaltigkeit gerade hier ganz besonders wichtig. Der LVR nimmt diese Erkenntnis von Anfang an sehr ernst und richtet seine Strukturen so aus, dass sie umweltverträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig sind. Das hat Auswirkungen in allen Bereichen. Es geht darum, Örtlichkeiten barrierefrei zu machen, es geht um um energiesparende und umweltschonende Mobilität, etwa durch Jobtickets oder Dienstfahrräder, sogar um einen neuen, motivierenden Kommunikationsstil oder um Projekte zur Umweltbildung. Durch intensive Arbeit an diesem Thema auf allen Ebenen hat der LVR bis heute zahlreiche Erfolge verzeichnen können und viele Auszeichnungen erhalten.

Carmen Heyner berichtete an der EUFH ausführlich über einige dem LVR besonders am Herzen liegende Nachhaltigkeitsthemen. Dazu gehört etwa die nachhaltige Beschaffung als zentrales Handlungsfeld. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich der LVR der strengsten Art der Überprüfung nachhaltigen Handelns überhaupt unterzieht, nämlich EMAS. Das ist ein Managementsystem in den Bereichen Umweltschutz, Qualität und Arbeitssicherheit. Bei der kontinuierlichen Verbesserung der Organisation werden die Mitarbeiter einbezogen, damit sie sich mit den Maßnahmen besser identifizieren können. So wird Umweltschutz wirklich gelebt und verstaubt nicht auf Papieren in Schreibtischschubladen. Teilnehmende Organisationen müssen eine Umwelterklärung mit ihren Maßnahmen verfassen und eingehend darüber informieren. Ein Umweltgutachter prüft die Erklärung und erklärt sie für gültig. Außerdem sind wiederkehrende Umweltprüfungen durchzuführen. Dies unterscheidet EMAS von anderen Zertifikaten – es ist keine Prüfung, die man einmal und nie wieder, vielleicht zu Marketingzwecken, über sich ergehen lässt. EMAS ist eine kontinuierliche Überprüfung gesellschaftlich verantwortlichen Handelns.

Die Masterstudierenden erfuhren von Carmen Heyner im Detail, wie das in einer Organisation wie dem LVR vor sich geht. Die Gastreferentin gab in der anschließenden Diskussion auch Anregungen, die die Arbeitgeber der Studierenden in ihren Unternehmen umsetzen können. Ein Vorbild, von dem sich sicherlich noch manches Unternehmen eine dicke Scheibe abschneiden kann und sollte, damit unsere Wirtschaft ihren Teil zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen kann.

Renate Kraft