Während des Bundesschüler- und Studierendentreffens des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten, das in diesem Jahr an der EUFH in Rostock stattfand, gab es einen Workshop der EUFH-Dozentin Susanne Harder-Sdzuj. Vor angehenden Ergotherapeuten aus ganz Deutschland sprach sie darüber, was man sich vor der Eröffnung einer eigenen Praxis gut überlegen sollte.

Susanne Harder-Sdzuj ist nicht nur Dozentin, sondern vor allem seit 30 Jahren Ergotherapeutin und seit 22 Jahren in ihrer eigenen Praxis tätig. In Wismar lernte sie ihren Beruf und machte ihren Bachelor in den Niederlanden, weil das in Deutschland damals noch gar nicht möglich war. An der EUFH setzte sie einen Master drauf und ist aktuell nun eine von der EUFH betreute Doktorandin in Greifswald.

In ihrer Praxis gibt es mittlerweile 16 Mitarbeiter, und entsprechend bringt sie jede Menge Erfahrung mit, die sie sehr gerne an den Nachwuchs weitergab. Ihr erster Tipp an die Zuhörer war, sich vor dem Start genau zu überlegen, welche Praxisform die geeignete ist. In einer Einzelpraxis etwa sind Berufsanfänger verpflichtet, alle Bereiche der Ergotherapie abzudecken, was kurz nach Ausbildung oder Studium wahrlich nicht einfach ist. Eine Lösung könnte eine Gemeinschaftspraxis sein, in der dann die Praxisinhaber gemeinsam für alles verantwortlich sind.

Eine bessere Idee sei es allerdings meist, so die Referentin, sich für eine Praxisgemeinschaft mit Praxen in gemeinschaftlichen Räumen zu entscheiden. Das bietet den großen Vorteil, dass man sich ohne große Komplikationen wieder trennen kann, wenn man sich nicht mehr so gut versteht oder in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Hier kommt auch eine interdisziplinäre Praxis in Frage, beispielsweise mit einer Logopädin oder anderen Therapeuten. Wichtig dabei seien immer saubere Absprachen und klare Verträge.

Eine weitere wichtige Entscheidung ist es, ob man lieber eine neue Praxis eröffnen oder eine bestehende übernehmen möchte. Bei letzterer Alternative übernimmt man auch einen Klientenstamm und verdient so von Anfang an Geld. Allerdings sollte man bedenken, dass man damit in der Regel auch ein Praxiskonzept mit übernimmt, das man später dann aber selbst weiter ausgestalten kann.

Susanne Harder-Sdzuj hatte zum Beispiel auch viele Tipps dazu auf Lager, wie man sinnvoll mit den sehr strengen Regeln der Heilmittelverordnung umgehen kann. Fortbildungen seien kontinuierlich und zwingend nötig. Leider gibt es aber in der Ergotherapie das Problem, dass niemand die Therapeuten dabei finanziell unterstützt.

Überhaupt ist die finanzielle Seite der Medaille keineswegs zu unterschätzen. Nach dem Start einer neuen Praxis verdient der Ergotherapeut natürlich zunächst wenig, weil er wenig Behandlungen durchführt und dann auch noch warten muss, bis sein Geld abgerechnet ist. In der Zeit muss man aber leben. Ein Kredit muss daher nicht nur die Erstausstattung abdecken, sondern auch den Lebensunterhalt für die erste Zeit. Vor allem, so warnte die Referentin ihre jungen, engagierten Zuhörer, gebe es keine Halbtagspraxis, und besonders zu Anfang habe man von früh bis spät wirklich alle Hände voll zu tun.

Zur Finanzierung der recht hohen Kosten wies sie auf die Möglichkeit hin, Praxisräume unterzuvermieten, etwa an Yoga- oder Kindersportgruppen. Auch das sollte man aber von Anfang an einplanen und die Praxisräume so gestalten, dass sie dafür geeignet sind. Ein Vermögen kann man so zwar nicht machen, aber vielleicht lässt sich zumindest die Praxisreinigung auf diese Weise finanzieren.

In einem lebhaften Dialog mit ihren Zuhörern, die viele Fragen stellten, empfahl Susanne Harder-Sdzuj auch, in eine wirklich gute Ausstattung zu investieren und hier nicht an der falschen Stelle zu sparen. Schließlich könne man langsam zurückzahlen und so dennoch von Anfang an von der Praxis leben. Eine gute Ausstattung ist eine gute Idee, weil sie wesentlich länger hält und man sich darin auch selbst viel wohler fühlt. Immerhin verbringt ein Therapeut ja sehr viel Lebenszeit in seiner Praxis.

Die Referentin betonte schließlich auch noch, dass man viel mehr sein muss als ein guter Ergotherapeut, um eine Praxis erfolgreich zu betreiben. So solle man sich beispielsweise gut um seine Mitarbeiter kümmern. Sie zu leiten, will gekonnt und auch gewollt sein. Und man müsse den Mitarbeitern auch etwas bieten, wenn man nicht regelmäßig neue einarbeiten will, was viel Zeit und Geld kostet. Auch der Umgang mit den Krankenkassen sei nicht einfach, so die erfahrene Ergotherapeutin, die ihren Zuhörern empfahl, von Anfang an mit einem guten Abrechnungssystem zu arbeiten. Marketing sei ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Sache, um die sich ein Therapeut mit eigener Praxis kümmern muss. Eine professionelle Webseite sei eigentlich unverzichtbar. Und nicht zuletzt solle man sich einen wirklich guten Steuerberater suchen, der einen buchstäblich berät und nicht nur Formulare ausfüllt.

Alles in allem ist die Eröffnung einer eigenen Praxis eine Sache, die gut durchdacht sein will. Susanne Harder-Sdzuj sprach viele mögliche Schwierigkeiten an, forderte ihre Zuhörer aber vor allem dazu auf, Mut zu haben. Ihr Workshop jedenfalls war sicher geeignet, die jungen Ergotherapeuten zu motivieren und ihnen mögliche Wege aufzuzeigen.

Renate Kraft