Absolventen, Studierende, Unternehmensvertreter und Freunde der Hochschule waren kürzlich zu einer Podiumsdiskussion und Netzwerkveranstaltung zum Thema „Der Mensch hinter der Digitalisierung – Stories und Karrierewege“ am Brühler Campus eingeladen. Aus erster Hand von Absolventen der EUFH hörten die Gäste aktuelle Digitalisierungstrends und Karrieretipps rund um die digitalisierte Arbeitswelt.

Raphael Wischnewsky zum Beispiel studierte ab 2005 an der EUFH Logistikmanagement. Er war einer der Initiatoren dieses Abends, der an seiner alten Hochschule dabei helfen wollte, das Thema Digitalisierung greifbarer zu machen und zu zeigen, wie Karrierewege in Zeiten fortschreitender Digitalisierung am Beispiel von fünf EUFH-Absolventen aussehen können. Während seines Studiums arbeitete er ganz klassisch bei einem großen Frachtunternehmen und wechselte anschließend in die Beratung, wo er sich vor allem mit dem Thema Technologietransfer beschäftigte. So war er bei DHL an einem Projekt beteiligt, bei dem es um die Ortung von Containern ging. Wie das Leben so spielt, wechselte er zu DHL, wo fortan zum Beispiel Cloud Computing sein Thema war. Er absolvierte noch ein berufsbegleitendes MBA-Studium und ist inzwischen Geschäftsführer einer DHL-Tochter.

Kevin Merken, ebenfalls Logistik-Absolvent, ging einen anderen Weg und schilderte seine Erfahrungen mit der Digitalisierung aus Sicht eines Unternehmensgründers. Nach seinem Studium und seinen Praxiserfahrungen bei DHL und dem Telematikdienstleister Agheera wusste er, dass das Organisieren seine Stärke ist. Mit seinem Mitbewohner zusammen gründete er das Startup Eversports, das es ermöglicht, Sportangebote zu finden, zu buchen und gleich direkt zu bezahlen – schnell, unkompliziert und online mit wenigen Klicks via Notebook oder App am Smartphone. Seine Vision ist es, den Zugang zum Sport für alle zu erleichtern, und er ist auf dem besten Wege dazu, denn mittlerweile arbeiten mehr als 70 Mitarbeiter daran. Sein bescheidenes Ziel: das booking.com des Sports zu werden. Kevin Merken ist für den deutschen Markt verantwortlich und managt das steile Wachstum von Eversports.

Bei einem mittelständischen Lebensmittel-Händler absolvierte Christian Fahl ab 2009 seine Ausbildung im Rahmen des dualen Studiums Handelsmanagement an der EUFH. Zum ersten Mal kam er mit der Digitalisierung in Kontakt, als er mit zwei Kommilitonen eine Recruiting-Webseite für sein Unternehmen baute. Nach seinem Auslandssemester in Südafrika wechselte er zu einem großen Discounter in Süddeutschland und machte auch noch seinen Master. Als Rewe einen Business Analysten zum Aufbau einer neuen Abteilung suchte, bewarb er sich und blieb bis heute bei Rewe Digital. Vor einem halben Jahr wurde er „Product Owner“ und arbeitet jetzt als Projektleiter im Bereich Softwareentwicklung mit einem Team von fünf Entwicklern, dessen Aufgabe es ist, Logistikprozesse zu digitalisieren.

Finanz- und Anlagemanagement hat Daniel Seybold an der EUFH studiert und wollte eigentlich in eine komplett andere Richtung gehen. Statt Aktien und Investmentbanken sind jetzt Satellitensignale und Raumfahrtanwendungen seine Welt. Nach seinem Studium stieg er 2011 in das Unternehmen seines Vaters ein und absolvierte noch ein Masterstudium in Wirtschaftsrecht. Mit Technik wollte er eigentlich nie wirklich viel zu tun haben, aber er lernte dann im Laufe der Zeit immer mehr dazu. Trotzdem ist er froh, dass er sehr kompetente Spezialisten hat, deren Knowhow er sehr zu schätzen weiß. Heute leitet er erfolgreich ein Unternehmen. Der Türöffner für seine Karriere war im Grunde die Digitalisierung.

Dennis Nizgoda schließlich hatte während seines Logistikstudiums im DHL Innovation Center unter anderem viel mit Drohnen tun. Nach seinem Studium blieb er dort und beschäftigte sich intensiv mit Robotik. Inzwischen leitet er hierzu ein Kompetenzzentrum innerhalb des Konzerns. Mit seinem Job ist der Absolvent sehr zufrieden und er selbst sieht seinen Willen, immer weiter dazu zu lernen als den wichtigsten Erfolgsfaktor. In Zeiten der Digitalisierung lernt man eben nie aus.

Für die fünf Referenten des Abends war Digitalisierung eine wichtige berufliche Chance, die sie erfolgreich genutzt haben, obwohl ihr Studium nicht übermäßig techniklastig war. Über Robotik oder Satellitensignale jedenfalls lernt man in Handels- oder Logistikmanagement nichts. Dennoch – die Kombination von Theorie und Praxis, dazu eine gute Portion Englisch und ein intensives Training sozialer Kompetenzen waren für alle ein sehr gutes Eintrittsticket in die berufliche Karriere. Besonders die soziale Kompetenz, darin waren sich alle einig, hilft ihnen heute sehr. Man muss kein Technikgenie sein, um die Digitalisierung erfolgreich mitzugestalten, aber man muss offen sein und mit Veränderungen umgehen wollen, sie managen und als Chance begreifen. Die große Begeisterung und Unbefangenheit, mit der die EUFH-Absolventen damit umgehen, ist beeindruckend.

Renate Kraft