Von Ende Januar bis Ende Juni war Nora Muires (Handelsmanagement 2015) in Südamerika. Dort verbrachte sie ihr Auslandssemester an der Universidad de Viña del Mar in Chile, dem längsten Land der Welt. Wie kommt man bloß auf Chile? „Ich wollte richtig weit weg und zugleich Spanisch lernen. Dann habe ich geschaut und die Hochschule gefunden, deren Programmangebot einfach am interessantesten zu sein schien“, erzählt sie. Bei den Vorbereitungen bekam sie viel Unterstützung von College Contact, einer Agentur, deren Service für Studierende kostenlos ist. Und natürlich stand ihr auch unser International Office mit Rat und Tat zur Seite.

Die Universidad de Viña del Mar liegt in einem gleichnamigen Seebad direkt am Meer in der Nähe der Hafenstadt Valparaíso in Zentralchile. Die Hauptstadt Santiago ist gerade mal 2 Stunden mit dem Bus entfernt. Die Lage am Meer spielte für Noras Entscheidung neben dem Kursprogramm auch eine Rolle, wobei in Chile sehr vieles am Meer liegt, weil sich das Land auf sagenhaften 4.300 Kilometern entlang der Pazifikküste erstreckt. Gewohnt hat Nora in Valparaíso in einem auf Hügeln über der Stadt gelegenen Hochhaus, von wo aus sie einen sagenhaften Blick hatte, zugleich aber auch gut sehen konnte, dass die Umgebung zum großen Teil aus ärmlichen Wellblechhütten bestand. Ihr eigenes Haus aber war modern und sie bewohnte dort gemeinsam mit einer chilenischen Logopädin und einem kleinen Hund eine Privatwohnung. Gefunden hatte sie diese Unterkunft im Internet.

Die Region um Valparaíso hat sieben Unis, sodass sich um ein buntes Studentenleben niemand Sorgen machen muss. Die Altstadt ist nicht nur für ihr buntes Treiben, sondern auch für ihre farbigen Häuser bekannt und gehört zum Weltkulturerbe. Der Hafen ist der bedeutendste von ganz Chile und einer der wichtigsten in Lateinamerika. Die Einwohner werden vielleicht deshalb „porteños“, also Hafenbewohner, genannt.

An der Uni ging es familiär zu – die Kurse waren klein. Ein bisschen schade fand Nora, dass die Internationals meist sehr für sich blieben in ihren eigenen Kursen. Eigentlich wollte sie ja vor allem Land und Leute kennen lernen. Aber die Hochschule kümmerte sich andererseits prima um die Gaststudenten und organisierte viele Events, Ausflüge und Partys. Besonders gut gefiel Nora, dass es in den Lehrveranstaltungen nicht immer nur um BWL ging, sondern oft auch um die Geschichte und Politik Chiles. Das fand sie so spannend, dass sie zusätzlich noch Bücher dazu las. Gefallen hat ihr auch ein Kurs zum Thema Corporate Social Responsibility. Sie freute sich über viel guten Input zu einem Thema, das sie in Zeiten der Globalisierung für sehr wichtig hält.

Natürlich kam auch das Reisen nicht zu kurz. Nora bereiste vor Beginn ihres Semesters viele Teile ihres Gastlandes und auch Brasilien und Argentinien. Auch während des Semesters nutzte sie viele freie Wochenenden, um die Gegend zu erkunden. So war sie zum Beispiel in Rio und São Paulo oder an den Iguazú-Wasserfällen. Buenos Aires gefiel ihr zwar, weil die Stadt sehr schön ist, war ihr aber im Endeffekt ein bisschen zu europäisch. Da waren die brasilianischen Städte eher nach ihrem Geschmack. Die beste Zeit hatte sie in Patagonien, wo sie zwischen Bergen und Gletschern wanderte und die unberührte Natur genoss. Ein weiteres  Highlight war für Nora die berühmte Atacama-Wüste im Norden Chiles.

Übrigens war zeitgleich mit Nora noch eine andere EUFH-Studentin in Chile. Beide kannten sich vorher nicht, wurden dort aber zu richtig guten Freundinnen. Anderen Studierenden der EUFH, die sich für ein Auslandssemester an „ihrer“ Hochschule interessieren, empfiehlt sie, nur mit soliden Spanischkenntnissen dorthin zu gehen. Denn es kann durchaus mal passieren, dass ein englischsprachiger Kurs nicht zustande kommt und es dann eben auf Spanisch weitergeht. Außerdem empfiehlt sie, immer offen und fröhlich an die Sache ranzugehen. „Keine Sorge – man wird nicht an jeder Ecke überfallen“, lacht sie. Insgesamt hat Nora es als eine sehr wertvolle Erfahrung erlebt, mal in ein Land zu gehen, in dem vieles noch nicht ganz so weit entwickelt ist wie bei uns. „So lernt man wirklich wert zu schätzen, was wir hier zu Hause haben.“

Renate Kraft