Es ist ein echtes Novum in der Geschichte der EUFH: Die beiden Hochschulbereiche Management und Gesundheit haben einen gemeinsamen Artikel veröffentlicht. Im renommierten Gabler Wirtschaftslexikon publizierten Prof. Dr. Julia Siegmüller und Prof. Dr. Robin Haring (Bereich Gesundheit) gemeinsam mit Prof. Dr. Tanju Aygün und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Nasika Daoudi (Bereich Management) einen Beitrag zum Thema Demografiemanagement. Schon seit einigen Jahren gibt es bekanntlich interdisziplinäre Demografieforschung an der Hochschule. Nun also gibt es die erste von sicherlich vielen zukünftigen gemeinsamen Publikationen.

In ihrem Beitrag beschäftigen sich die Autoren mit dem Thema Demografiemanagement. Dabei geht es um den Umgang mit den Auswirkungen des demografischen Wandels, bei dem die Altersstruktur der Bevölkerung, die Entwicklung der Geburten- und Sterberate, die Migration von und nach Deutschland sowie auch das quantitative Verhältnis beider Geschlechter wichtige Rollen spielen. Diese Kriterien haben starken Einfluss auf den Arbeits- und Absatzmarkt, aber auch natürlich auf den Gesundheitsmarkt, sodass sich das Thema wirklich sehr gut für eine gemeinsame Publikation eignet.

Am Arbeitsmarkt verringert sich die Anzahl der verfügbaren Fachkräfte und die arbeitende Bevölkerung wird älter. Die Generation 50+ innerhalb der Belegschaften wächst, nicht zuletzt auch durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Geburtenschwache Jahrgänge erschweren es den Unternehmen zusätzlich, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Ein betriebliches Demografiemanagement hilft dabei, solche Entwicklungen zu steuern und den Folgen entgegenzuwirken.

Für den Absatzmarkt hält der demografische Wandel nicht nur Risiken, sondern auch viele neue Chancen bereit. Diese Auswirkungen sind bisher noch wenig beachtet worden. EUFH-Forscher haben sich bereits intensiv damit befasst. Die Nachfrage älterer Konsumentengruppen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aber auch die hohe Zuwanderung nach Deutschland und die Abwanderung vom Land in die Städte verändern die Absatzmärkte. Senioren und Migranten werden immer wichtigere Zielgruppen.

Auch am Gesundheitsmarkt sind massive Änderungen durch den demografischen Wandel zu erwarten. Dies ist natürlich besonders zu beachten, weil es sich um einen Wirtschaftsbereich mit überdurchschnittlichen Wachstums- und Beschäftigungsraten handelt. Schon im Jahr 2015 hatte die Gesundheitswirtschaft mit mehr als sechs Millionen Beschäftigten und einem Anteil von 11,1 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung eine führende Stellung inne. In dem Artikel im Gabler Wirtschaftslexikon beschäftigen sich die EUFH-Autoren mit den spannenden Besonderheiten dieses Marktes. Diese Besonderheiten liegen in der Unterscheidung zwischen erstem und zweitem Gesundheitsmarkt, also zum einen dem Markt für alle erstattungsfähigen Waren und Dienstleistungen, zum anderen dem Markt für alle nicht durch gesetzliche oder private Krankenkassen erstattungsfähigen Produkte und Leistungen.

Der Artikel ist ein deutliches Signal für das fortschreitende Zusammenwachsen der beiden Hochschulbereiche Management und Gesundheit. Immer klarer wird nun, wie gut beide Bereiche zueinander passen und sich gegenseitig befruchten.

Renate Kraft

Hier geht’s zum Artikel im Wirtschaftslexikon