Schauen wir heute zurück in die 60er und 70er Jahre und zur Star Trek Generation, stellen wir fest, dass wir zwar nicht im Weltall leben (zumindest noch nicht), aber Technologien wie Sensoren, um Türen automatisch zu öffnen oder Videotelefonie sind doch inzwischen Alltag für uns.

Ähnlich wie damals versuchen heutige Medien, die Zukunft zu prognostizieren und uns ein Bild zu malen. In den letzten zwei Jahrzenten haben sich auch Videospiele als ein zentrales Medium in der Popkultur etabliert. Vor kurzem erschien das Playstation 4 exklusive Spiel Detroit: Become Human, entwickelt von Quantic Dream. In diesem Spiel geht es um die Welt in 2038, die in der futuristischen Version von Detroit stattfindet.

Dabei ist die Vision von der nahen Zukunft gar nicht mal so abwegig. Viele Stadtteile sind ein Mix aus traditionellen und neuen Technologien. Bestehende Straßeninfrastrukturen werden genutzt und sind erweitert um autonome Taxis und Bussysteme, ferner gibt es vereinzelt autonome Bahnlinien, die oberirdisch über Straßen hinweg fahren.

Der (vielleicht) futuristische Teil des Spiels ist die dominierende Präsenz von Androiden, die mit künstlicher Intelligenz und menschlichem Erscheinungsbild in der Welt unbemerkt ihren Platz einnehmen. Lediglich die Kleidung und ein kleiner leuchtender Ring an der Schläfe identifizieren sie. Die Androiden können eine Vielzahl von Tätigkeiten aufnehmen und fungieren im Spiel als Haushälter, Babysitter, Trainer oder Putzkräfte.

Einer der drei spielbaren Charaktere ist Connor, ein neuartiger Prototyp, der als Detektiv eingesetzt wird und spezialisiert ist, Androiden mit Fehlfunktionen auszuschalten.

Neben Connor schlüpft man in die Rolle des Haushaltsandroiden Kara und des Pflegers Markus. Die zentrale Handlung des Spiels thematisiert die vermeintliche Fehlfunktion in der Programmierung, die dafür sorgt, dass gewisse Androiden das Protokoll ignorieren und sich sogar darüber hinwegsetzen können, demnach einen freien Willen entwickeln. Als Spieler steht man vor der Herausforderung, die drei Androiden auf ihrem Weg in den freien Willen zu begleiten, Entscheidungen zu treffen und zu erforschen, was einen Menschen eigentlich ausmacht.

Detroit: Become Human stellt relevante Fragen und greift philosophische Problemstellungen des modernen Menschen auf. Das Spiel wurde bzw. wird kritisiert, da es die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre als Basis für die Diskriminierung von Androiden in 2038 nutzt. So gibt es beispielsweise bestimmte Busabteile für Androiden oder dezidierte „Parkplätze“. Auch werden Themen wie die Streitigkeit um Arbeitsplätze und Kompetenzen der künstlichen Intelligenzen in Frage gestellt.

Auch wenn diese Parallelen nicht ganz abzustreiten sind, ist es nach wie vor ein Stück Kunst, was sich realer Geschichten bedient und diese interpretiert. Dabei stellt es in keinerlei Hinsicht eine Verharmlosung der Geschichte dar, im Gegenteil, die Entwickler stellen sich ganz offen der Thematik und den Konsequenzen, die eben eine solche Ausprägung von „künstlichen Menschen“ in der Gesellschaft zum Vorschein bringe könnte.

In den vielfältig geschichteten Entscheidungsbäumen kann man die Entwicklung der drei Protagonisten aktiv lenken – wie viel Menschlichkeit ist gut, wo sollten Grenzen liegen, ist eine künstliche Intelligenz mit freiem Willen „lebendig“?

Fazit:

Quantic Dream ist ein unglaublich gutes Spiel gelungen, mit verblüffender Motion-Capture Technologie und Klasse-Schauspielern, die die Charaktere mit Bewegung und Stimme zum Leben erwecken. Das knapp 10-stündige Abenteuer lohnt sich auch mehrere Male durchzuspielen, da man durch die vielschichtigen Entscheidungswege ganz unterschiedliche Spielweisen und Situationen erleben kann. Gepaart mit einem real wirkendem Zukunftsszenario und toller musikalischer Untermalung ist Detroit: Become Human eines der heißesten neuen Playstation 4 Exklusivtitel dieses Jahres. Das Spiel ist bereits am 25. Mai 2018 erschienen. Absolut empfehlenswert.

Sebastian Förster