Prof. Dr. Tanju Aygün

Am 13. März war Prof. Dr. Tanju Aygün zur Innovationskonferenz „REK_innovativ: Brücken zu einer Zukunftsregion“ eingeladen und hielt dort einen Vortrag zum Thema „Innovationen in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette“. Zu dieser Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft GmbH waren Unternehmensvertreter der Region eingeladen, um spannende Einblicke in zukunftsorientierte Formen der Zusammenarbeit und Anregungen für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen zu bekommen.

Prof. Aygün bereitete seine Zuhörer darauf vor, dass sich die Wertschöpfungskette im Lebensmittelbereich in Zukunft radikal verändern wird. Er berichtete von den Forschungsergebnissen des interdisziplinären und anwendungsorientierten Projekts „Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Qualität der Lebensmittelversorgung“, das von 2014 bis 2017 lief und vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen und aus Eigenmitteln der EUFH finanziert wurde.

Das Forscherteam beschäftigte sich mit den Bedürfnissen der wachstumsstarken Generation 65 plus beim Lebensmitteleinkauf. Diese Gruppe ist mit ihrer hohen Kaufkraft, dem großen Zeitbudget für den Einkauf und ihren gehobenen Qualitätsansprüchen natürlich eine wichtige Kundengruppe für den Handel. Die Lebenserwartung ist hoch – entsprechend heterogen ist die Gruppe mit ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Die Forscher haben diese Bedürfnisse und Anforderungen an die Lebensmittel-Versorgung untersucht, nach sinnvollen Segmentierungsansätzen für die heterogene Gruppe gesucht und Chancen und Risiken für Unternehmen und Kommunen aufgezeigt. Schließlich leiteten sie natürlich auch Handlungsempfehlungen aus den Ergebnissen ab. Als Impulsgeber mit von der Partie waren zahlreiche Unternehmen wie Rewe oder Dachser Food Logistics, aber auch zum Beispiel die Verbraucherzentrale NRW, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen oder die Uni Bonn.

Bei den umfangreichen Befragungen der Forscher stellte sich zum Beispiel heraus, dass nur deutlich weniger als ein Drittel der älteren Bevölkerung nicht weiß, wie man im Internet einkauft. Da diese Bevölkerungsgruppe schnell wächst und zugleich die Digitalisierung stetig voranschreitet, wird die vertraute Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft über die Industrie in den Groß- und Einzelhandel bis hin zum Kunden bald Geschichte sein. Stattdessen werden die Rahmenbedingungen sich dahin gehend verändern, dass alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten über digitale Kanäle mehr oder weniger direkt mit dem Kunden in Kontakt kommen. Wie ein solches Szenario sich gestalten könnte, zeigte Prof. Aygün während der Veranstaltung auf. Von Prof. Aygün und anderen Experten erhielten die Besucher der Innovationskonferenz Antworten auf Fragen, wie sie sich in der digitalen Welt behaupten können.

Renate Kraft