Gemeinsam mit den Professorenkollegen Vincent Mak und Raghabendra KC von der University of Cambridge hat Prof. Dr. Marcus Kunter ein Forschungspapier in dem sehr renommierten Journal PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht. Darin hat er sich mit der „Übertragung von Wettbewerbsatmosphäre auf Nicht-Wettbewerber“ beschäftigt und kam zu spannenden und ganz neuen Erkenntnissen.

Mithilfe verschiedener Experimente wiesen die Forscher nach, dass offenbar Leute, die von einem Wettbewerb wissen, aber nicht daran teilnehmen, sich davon motivieren lassen. Das hat zur Folge, dass ihre Leistung sich verbessert. Man kann den Unterschied im Vergleich zu Leuten feststellen, die nichts vom Wettbewerb wissen. Klingt erst mal ein bisschen abstrakt, ist aber eine sehr interessante Erkenntnis mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

Prof. Kunter hat zum Beispiel festgestellt, dass „Pay what you want“-Kunden im Zoo dann mehr zu zahlen bereit sind, wenn sie von einem Wettbewerb wissen, bei dem der bestzahlende Kunde gesucht wird. Und das, obwohl sie gar nicht an diesem Wettbewerb teilnehmen, weil sie zum Beispiel nicht bereit sind, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. Ganz offenbar spornt allein schon die Existenz des Wettbewerbs dazu an, mehr zu bezahlen. Der Wettbewerb scheint auch Nicht-Teilnehmer zu motivieren und eine Art Sogwirkung auszuüben.

Ein anderes Experiment, bei dem es darum ging, dass die Probanden am Rechner möglichst schnell einen Schieberegler an eine bestimmte Stelle befördern, bestätigte das Ergebnis. Auch hier performten Testpersonen, die vom Wettbewerb wussten, besser als andere, die nicht vom Wettbewerb wussten. Wenn Wettbewerbe in der Luft liegen, dann macht das etwas mit den Menschen.

Dieses neue Wissen ist mit ein bisschen Phantasie natürlich sehr vielfältig anwendbar. Schon plant Prof. Kunter deshalb, seine Forschung auf diesem Gebiet fortzusetzen. Denn es wäre sicherlich sehr nützlich, beispielsweise zu wissen, wann diese Sogwirkung genau auftritt und wann eher nicht.

Der Beitrag von Prof. Kunter im PNAS Journal ist ohne Übertreibung eine weltweite Top-Veröffentlichung. Es ist ein sehr viel gelesenes Journal, in dem alle möglichen Wissenschaftsdisziplinen vertreten sind. Obwohl es unter Wirtschaftswissenschaftlern deshalb gar nicht unbedingt so extrem bekannt ist, hat es einen höheren „Impact-Faktor“ (ein wichtiges Kriterium, an dem die Qualität solcher Publikationen gemessen wird) als die weltweiten Top-BWL-Journals. Im Thomson Reuters Ranking liegt es auf Position 3 von insgesamt 12.000 gerankten Journals. Also ein herzlicher Glückwunsch an unseren Professor und ein Dank an die EUFH, die die Forschung unseres Professors gefördert hat.

Renate Kraft